Windows 7 steht
in den Startlöchern, und natürlich darf ein Vorverkauf nicht fehlen. Und diesmal hatten die Marketing-Strategen bei Microsoft eine richtig lustige Idee: Das neue überarbeitete Windows Vista Windows 7 wird zu einem extrem günstigen Preis in einem extrem kleinen Kontingent zum Vorverkauf angeboten. Gleich vorweg, die Lizenzen gingen weg wie warme Semmeln. Rein verkaufstechnisch also alles andere als ein Flopp. Doch strategisch gesehen war die ganze Aktion meiner Meinung nach trotzdem ein Fettnäpfchen.
Heute, am 15.07.2009 um 09:00 war der offizielle Startschuss zum Vorverkauf. Ich war live dabei und versuchte bei Amazon eine Lizenz zu ergattern. Auch wenn ich mir erst letztes Jahr für teuer Geld Windows Vista Ultimate gekauft hatte, so konnte ich bei diesem günstigen Preis nicht widerstehen. Doch der Spaß dauerte keine drei Minuten. Einloggen, Artikel in den Warenkorb, und….Fehlermeldung. White Screen of Death. Ende. Manche berichteten, dass sie durch Vergewaltigung der F5-Taste doch noch zum Zug gekommen sind. Die meisten aber teilten mein Schicksal: Als der wohl größte Onlineshop Amazon wieder reagierte, waren alle Lizenzen bereits verkauft. Ähnlich verlief es bei anderen Onlineshops.
Die wütende Meute der enttäuschten Interessenten ging aber nicht, ohne zumindest ihren Unmut in dutzenden negativen Produktbewertungen Kund zu tun. Es war schon fast lustig mitanzusehen, wie bei Amazon in wenigen Minuten über 140 1-Stern-Bewertungen für Windows 7 abgegeben wurden. Und wie die Zahl plötzlich stetig wieder sank, weil die emsigen Amazon-Mitarbeiter alle Kommentare wieder löschten. Was ich auch richtig finde. Denn nicht Windows 7 hat eine schlechte Rezension verdient, sondern Microsoft durch das wahnwitzig geringe Kontigent für Deutschland und Amazon für den ärgerlichen Serverausfall.
Wie gesagt, die ganze Aktion kann man aus Kundensicht nur als Flopp abtun. Denn neben einer verschwindend geringen Zahl von glücklichen Käufern blieb eine ganze Heerschaar enttäuschter und teils erzürnter Windows-Jünger zurück, die leer ausgegangen sind. Ja sicher, so ist das eben bei Vorverkäufen, höre ich nun einige klugscheißen. Aber wenn man mal darüber nachdenkt wie das ganze so abgelaufen ist, wurden insgesamt drei Fehler gemacht:
- Zu kleines Kontingent
Ganz klar ist das der größte Fehler gewesen. Während in den USA z.B. problemlos bis zum Ende der Aktion jedermann Windows 7 vorbestellen konnte, wurde das Kontingent für Deutschland so gering gehalten, dass es geradezu lächerlich erscheint. Von 500 bis 1500 Lizenzen pro Verkaufspartner (z.B. Amazon) ist da die Rede. Hallo? 1500 Lizenzen in einem Land mit etwa 20 Millionen PC-Anwendern? Was wollte Microsoft damit erreichen? Freunde hat sich Microsoft mit dieser unfairen Aufteilung auf jeden Fall nicht gemacht.
- Unvorbereitete Onlineshops
Bei kleineren Onlineshops mag das ja nachvollziehbar und verzeihbar sein, wenn die Seite wegen zu hohem Andrang kurzzeitig nicht erreichbar ist. Aber wenn der wohl größte Onlineshop des Universums, der über eine gigantische Rechenpower verfügt, bei einer solchen Aktion in die Knie geht… Denn manche Interessenten hatten erst gar keine Chance auf eine Bestellung. Man hat doch sicher auch bei Amazon gewusst, dass der Andrang enorm werden würde? So wurde die Wahrscheinlichkeit, überhaupt eine der Lizenzen ergattern zu können, nochmals dezimiert.
- Kein Limit pro Kunde/Haushalt
Den Händlern hätte doch eigentlich klar sein müssen, dass das winzige Kontingent bei der zu erwartend riesigen Nachfrage ein sehr großes Angebot-Nachfrage-Gefälle nach sich ziehen würde. Wieso limitierten die Shops dann nicht die Anzahl pro Haushalt auf eine Lizenz? Da lese ich in Foren, wie manche sich beim selben Händler gleich zwei oder drei Windows 7 Lizenzen bestellt haben. Man braucht zwar nur eine, aber egal, die restlichen lassen sich ja dann (mit Profit) bei eBay verscherbeln. Wäre das Kauf-Limit auf eine Lizenz pro Kunde/Haushalt begrenzt gewesen, hätten mehr Leute etwas davon gehabt. Einfach unverständlich sowas.
Ich für meinen Teil habe ein Resümee und die Konsequenzen daraus gezogen. Natürlich bin ich immer noch heiß auf Windows 7. Aber auf weitere solcher psychologischen Kriegsspielchen zu Werbezwecken werde ich künftig liebend verzichten.
Update #1 (16.07.): Medienberichten zufolge waren weltweit nur eine Millionen Lizenzen für diese Werbeaktion verfügbar, wovon uns Deutschen lediglich 10.000 (1% vom Gesamtbestand!!) vergönnt waren. Microsoft lässt verlauten, dass aber noch weitere solcher Aktionen vor und nach dem offiziellen Verkaufsstart folgen sollen.
Update #2 (17.07.): Gerade eben flatterte eine E-Mail von Amazon herein. Ein Gutschein-Code für Windows 7 Home Premium zum Vorbestell-Sonderpreis von 50 EUR. Außerdem entschuldigt sich Amazon für die technischen Probleme durch den Server-Ausfall. Sozusagen als Wiedergutmachung gibt es dafür diesen Gutschein. Find ich Klasse, da sage ich nicht nein. Marketing-Strategien hin oder her. Aber das hätten sie auch mit weniger Stress haben können. Wobei, dann hätte diese Aktion wohl nicht soviel Aufsehen erregt. Und darum ging es doch letztlich?